Wir unterscheiden zunächst die aktive Hyperthermie von der passiven Hyperthermie. Die aktive Hyperthermie wird durch den Körper selber (aktiv) erzeugt. Das kann z.B. durch fiebererzeugende Medikamente erreicht werden. Bekanntestes Beispiel für solche Medikament sind die Mistelextrakte oder Bestandteile abgetöteter Bakterien. (Hier überlappt sich die Hyperthermie mit anderen Formen der biologischen Krebsmedizin)
Dem steht die passive Hyperthermie gegenüber, bei der durch Geräte der Körper ganz oder teilweise und in unterschiedlichem Masse erwärmt wird. Bekannt ist auf der einen Seite die Ganzkörperhyperthermie, und auf der anderen Seite die lokale Hyperthermie. Bei der Ganzkörperhyperthermie wird, wie der Name sagt, der ganze Körper erwärmt. Man spricht von einer „milden“, einer „moderaten“ oder einer „extremen“ Form, je nachdem, auf welche Zieltemperatur der Körper erwärmt wird. Inder Regel wird im ambulanten Bereich der Medizin die „moderate“ Ganzkörperhyperthermie durchgeführt. Dabei wird der Patient im Laufe von 3-5 Stunden auf 38,5°C bis 40,5°C erwärmt. Das ist für geschwächte Patienten eine anstrengende Prozedur. Aber es wirkt stark immunstimulierend und erzeugt sogenannte Hitzeschockproteine auf der Oberfläche der Tumorzellen, die dem Immunsystem helfen können, den Tumor als Feind zu erkennen. Somit ist diese Therapie auch gut kombinierbar mit anderen immunstimulierenden Maßnahmen. Weiterhin gibt es in einigen Zentren die „extreme“ Ganzkörperhyperthermie. Bei dieser Therapie wird der ganze Patient auf eine Temperatur von ca 43°C erwärmt, was für einen wachen Patienten nicht auszuhalten ist. Es ist eine Art Narkose nötig und der Patient muss genau - wie auf Intensivstationen - überwacht werden. Kreislauf und Flüssigkeitshaushalt müssen unterstützt werden und die Temperatur muss mit mehreren Temperatursonden kontinuierlich überwacht werden. Zu diesem Zweck werden Sonden in den Körper eingeführt. Diese Behandlung ist relativ gefährlich und kommt heutzutage nur noch sehr selten zum Einsatz.
Jetzt kommen wir endlich zu der lokalen Hyperthermie. Auch dabei gibt es wieder relativ gefährliche, sogenannte invasive (in den Körper eindringende) Techniken, bei denen zB mittels elektrischem Strom, über Spülungen mit heißen Lösungen, über Laser- oder Ultraschalltechniken, über Thermosonden oder - ganz aktuell in der Erforschung - auch über lokal verabreichte magnetischer „Nanoteilchen“ im Tumor Hitze erzeugt wird. Diese invasiven Techniken werden auf Grund Ihrer möglichen Nebenwirkungen und weil sie quasi alle noch im Stadium der Forschung sind, in der Regel stationär, also beim Patienten im Krankenhaus durchgeführt.
Es folgen die eigentlich interessanten – da für den routinemässigen Einsatz geeigneten – Methoden.
Häufig in Krankenhäusern, insb. im Rahmen von Studien angewendete Methode ist die Mikrowellenhyperthermie. Es wird mit Frequenzen von ca 100MHZ das Gewebe erwärmt. Bei diesen Frequenzen wird aus physikalischen Gründen das gesunde Gewebe oft stärker erwärmt als das kranke Gewebe! Um diese sogenannten „hot spots“ (Verbrennungen von gesundem Gewebe) zu vermeiden, werden mehrerer Strahlenquellen ringförmig (sogenannte Ringapplikatoren) um den Patienten angeordnet und es werden so mehrere Strahlenfelder gebildet. Dort wo sich die Felder überlagern, wird die maximale Wärme erreicht und dort genau muss auch der Tumor liegen.
Damit das „gefährliche“ Wärmemaximum nicht im gesunden Gewebe, sondern im Krebsgewebe schädigend wirkt, werden diese Geräte häufig mit Kernspingeräten kombiniert. Die Ärzte können dann sowohl die Wärme darstellen (Thermographie), als auch den Krebs (Kernspin). Krebsgeschwür und Wärmebereich werden dann zur Deckung gebracht und die Wärme kann so am richtigen Ort, nämlich im Krebs, ihre Wirkung entfalten.
In der ambulanten Therapie setzt sich derzeit eine andere, für den Patienten idR völlig ungefährliche und nicht belastende Technik durch. Dabei wird mit einer Frequenz von ca 13,56 MHZ gearbeitet. Im Gegensatz zur Mikrowellenhyperthermie ist diese Frequenz geeignet, das Krebsgewebe stärker zu erwärmen als das gesunde Gewebe. In einer Therapiesitzung, die ca 60 Minuten dauert, ist es möglich, das Krebsgewebe auf ca 42-44°C zu erwärmen. Das gesunde Gewebe erreicht dabei Temperaturen von ca 39-40°C. Bei diesen Temperaturen kann das gesunde Gewebe nicht geschädigt werden (40°C wird ja auch im Fieber erreicht), aber das Krebsgewebe erfährt eine Schädigung und/oder erhebliche Schwächung und wird so empfindlicher für zB Strahlentherapie oder Chemotherapie. In besonderen Fällen kann diese lokale Hyperthermie auch als Monotherapie, also ohne Chemo.- oder Strahlentherapie durchgeführt werden.
In der Regel sprechen sowohl Tumore, als auch Metastasen auf diese Wärmetherapie an. Dabei ist es kein Problem, wenn der Tumor sich in dem Strahlenfeld bewegt (wie zB Lungenkrebs auf Grund der Atmung) und es ist auch keine Problem, wenn vermeintlich empfindliches Gewebe mit im Strahlenfeld liegt (Gehirn, Augen, Herz etc). Da das gesunde Gewebe nur 39-40°C erreicht, wird es durch die Therapie nicht geschädigt.
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